POTSE

Potse Jugendliche werden gesilenced.

Bezirksamt will, dass die Potse auch in den neuen Räumen weiter leise sein muss.

Durch eine mündliche Anfrage der Linksfraktion in der BVV Tempelhof-Schöneberg wurde am Mittwochabend bekannt, dass bei der Suche nach Ersatzobjekten für das selbstverwaltete Jugendzentrum Potse anscheinend nur nach Räumen gesucht wird, in denen ausschließlich die leisen Angebote der Potse stattfinden können. Damit wird fortgesetzt, was durch den erzwungenen Umzug in die Zollgarage vor 5 Jahren begann: Dem punkigen, unangepassten und ja: lauten Freiraum für Jugendliche wird nach und nach die eigentliche Identität geraubt.

In der Anfrage von Elisabeth Wissel (Fraktionsvorsitzende der Linken Tempelhof-Schöneberg) ging es eigentlich um mögliche Verlängerungsoptionen am bisherigen Standort sowie den aktuellen Stand der Ersatzraumsuche. Der Jugendstadtrat Oliver Schworck (SPD) antwortete: Das Jugendamt würde derzeit intensiv nach möglichen neuen Räumen suchen und die Jugendlichen der Potse dabei aktiv und regelmäßig miteinbeziehen. Soweit stimmt das auch – nur die Information, dass die nächsten Ersatzräume ebenfalls keine laute Nutzung vorsehen, wurde den Jugendlichen bisher vorenthalten. So sagte der Jugendstadtrat Oliver Schwork in der BVV: “Das Jugendamt ist daher optimistisch, dass es im weiteren Verlauf gelingt, bis zum Ende der aktuellen Vertragslaufzeit, für die ruhigeren Angebotsformate der Potse geeignete räumliche Perspektiven zu eröffnen.“

Der Umzug an den aktuellen Standort im Tempelhofer Flughafen war eigentlich an die Versprechung geknüpft, durch eine Lärmschutzsanierung das volle Angebot der Potse dort möglich zu machen. Dieses Versprechen wurde gebrochen – bis heute darf die Potse einen Großteil des früheren Angebots, wie Konzerte, Bandproben und Partys, nicht umsetzen.

„Wir haben uns damit anfreunden müssen, dass das übergangsweise so ist und es aber wieder besser wird. Dass das BA aber nicht einmal versucht, unsere ursprünglichen Angebote in den nächsten Ersatzräumen wieder möglich zu machen und uns das nicht mal gesagt hat, ist ein Schlag ins Gesicht!“ (Benno, 18, Besucher der Potse)

„So kann man ein Jugendzentrum natürlich auch kaputtmachen. Wir haben uns jahrelang erfolgreich gegen die Gentrifizierung und Zwangsräumung gewehrt. Jugendliche müssen laut sein dürfen, unsere Konzerte waren auch irgendwo das Herzstück der Potse. Wenn wir die jetzt für weitere vier Jahre nicht machen können, verschwindet die Potse, wie wir sie kennen. Zwar nicht mit einem Paukenschlag, sondern still und heimlich. Leise und kleingehalten, so wie die Politik uns gerne hätte. Aber das lassen wir nicht zu!“ (Josie, 21, Teil des Potse-Kollektivs)

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